Hundeschule Kaiser
 
Therapie + Training + Prüfung

Läufigkeit bei Hündinnen 
Was ihr wissen solltet

Die Läufigkeit gehört zum normalen Leben einer Hündin –
und kann den Alltag deutlich verändern.

Manche Hündinnen bleiben entspannt.
Andere reagieren sensibler, anhänglicher oder auch gereizt.

Für viele Hundehalter ist diese Zeit ungewohnt:
Spaziergänge werden schwieriger, Begegnungen anstrengender und das Verhalten der eigenen Hündin verändert sich.

Typische Veränderungen im Verlauf der Läufigkeit

Bei vielen Hündinnen verändert sich das Verhalten nicht gleichmäßig – sondern je nach Phase ganz unterschiedlich.

Zu Beginn (Vorbrunst) zeigen viele Hündinnen eher:

  • Unsicherheit oder erhöhte Sensibilität
  • schnelleres Erschrecken
  • Rückzug oder stärkere Anhänglichkeit
  • geringere Ansprechbarkeit draußen
  • häufiges markieren

Viele Halter merken in dieser Phase:
„Irgendetwas ist anders – aber ich kann es nicht richtig einordnen.“


Während der Brunst (Stehtage) ändert sich das Verhalten oft deutlich:

  • starkes Interesse an Rüden
  • gezieltes Aufsuchen von Gerüchen und Spuren
  • mehr Eigenständigkeit draußen
  • geringere Orientierung am Menschen

In dieser Phase geht es weniger um Unsicherheit –
sondern oft eher um Fortpflanzungsverhalten.

Manche Hündinnen zeigen beide Seiten – je nach Phase der Läufigkeit.

Wann wird eine Hündin das erste Mal läufig?

Die erste Läufigkeit tritt meist zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat auf – 
abhängig von Rasse, Größe und individueller Entwicklung.

  • kleinere Hunderassen oft früher
  • größere Hunderassen teilweise erst mit 12–18 Monaten

Die ersten Läufigkeiten sind häufig noch unregelmäßig.
Es lohnt sich, eure Hündin in dieser Zeit besonders gut zu beobachten.

Ältere Hündinnen: 
Zyklen können seltener oder schwächer werden – Hündinnen bleiben aber grundsätzlich lebenslang läufig.

Wie läuft die Läufigkeit ab?

Die Läufigkeit, oft auch „Hitze“ genannt, dauert im Durchschnitt 3 Wochen und verläuft in mehreren Phasen.

1️⃣ Proöstrus (Vorbrunst, ca. 7–10 Tage)

  • Schwellung der Vulva
  • Blutiger Ausfluss
  • Aufmerksamkeit gegenüber Rüden, aber noch keine Paarungsbereitschaft

2️⃣ Östrus (Brunst, ca. 5–10 Tage)

  • Hündin ist paarungsbereit
  • Rüden werden aktiv angezogen
  • Verhalten kann anhänglicher oder sensibler werden
  •  Manche Hündinnen zeigen Splitt-Östrus – zwei kurze „Brunstwellen“. Das ist völlig normal.


3️⃣ Metöstrus / Diöstrus (ca. 60–90 Tage)

  • Paarungsbereitschaft vorbei
  • Hündin kann träge oder ruhiger wirken

4️⃣  Anöstrus (Ruhephase, einige Monate)

  • Hormone erholen sich
  • Körper bereitet sich auf den nächsten Zyklus vor


Aus unserer Erfahrung zeigt sich hier ein großer Unterschied:
Manche Hündinnen wirken kaum verändert, andere reagieren deutlich auf die hormonellen Schwankungen.

Warum sich Verhalten verändert

Die hormonellen Veränderungen wirken sich auf den gesamten Organismus aus.
Viele Hündinnen reagieren in dieser Zeit:

  • sensibler auf Umweltreize
  • schneller gestresst
  • weniger belastbar
  • stärker am Menschen orientiert oder im Gegenteil distanzierter

Das ist kein „Problemverhalten“, sondern eine normale Reaktion des Körpers.

Alltag mit läufiger Hündin

Ein paar Dinge können helfen, diese Zeit entspannter zu gestalten:

  • Spaziergänge an weniger frequentierten Orten machen
  • Stress & Kontakt zu Rüden vermeiden
  • mehr Abstand in schwierigen Situationen zulassen
  • Zusätzliche Kuschelzeiten & Rückzugsmöglichkeiten anbieten

Je nach Hündin kann der Bedarf nach Nähe oder Rückzug sehr unterschiedlich sein.

Futter während der Läufigkeit

Der Appetit kann sich während der Läufigkeit verändern.

  • manche Hündinnen fressen weniger
  • andere deutlich mehr

Leicht verdauliches Futter und kleinere Portionen können sinnvoll sein.

Tipp aus unserer Erfahrung: 
Bei gesunden, gut genährten Hündinnen kann es helfen, die Futtermenge um ca. 10 – 20 % zu reduzieren, um das Risiko einer Scheinträchtigkeit zu verringern.

Sanfte Unterstützung während der Läufigkeit 

Manche Hündinnen profitieren von sanften, natürlichen Hilfen:

z. B. Schüssler-Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum, D6) – kann Spannungen und Unruhe etwas lindern.

Dosierungsempfehlung:
Globuli: 3–5 Kügelchen, 2–3 Mal täglich
Tabletten: 1–2 Tabletten, 2–3 Mal täglich

Gewichtsunabhängig anwendbar, mild und ungefährlich
Hinweis: Wirkung kann individuell unterschiedlich sein – beobachtet eure Hündin genau.

Scheinträchtigkeit – Anzeichen & Unterstützung

Nach der Läufigkeit kann es zu einer Scheinträchtigkeit kommen.

Typische Anzeichen:

  • Nestbau
  • gesteigerte Anhänglichkeit
  • Milchbildung


Hier helfen oft:

  • weniger Futter während der Läufigkeit
  • eine ruhige Umgebung
  • keine „Ersatzwelpen“ wie Spielzeug

Was wichtig ist – und was nicht

Eure Hündin muss in dieser Zeit nicht „funktionieren“.

Sie darf:

  • sensibler sein
  • langsamer reagieren
  • mehr Abstand brauchen

Wichtig ist, dass ihr sie sicher durch den Alltag begleitet und ihre Signale ernst nehmt.

Wann Unterstützung sinnvoll ist

In den meisten Fällen verläuft die Läufigkeit unproblematisch.

Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn:

  • eure Hündin sehr gestresst wirkt
  • sie draußen kaum noch ansprechbar ist
  • sich Verhalten stark verändert oder verschlechtert
  • ihr unsicher seid, wie ihr reagieren sollt

Dann sagen wir euch ehrlich, was sinnvoll ist – und was nicht
und helfen euch dabei, das Verhalten eurer Hündin besser einzuordnen.


Kurz gesagt

  • Läufigkeit ist normal
  • Verhalten kann sich deutlich verändern
  • kleine Anpassungen im Alltag machen oft einen großen Unterschied

Und:
Ihr dürft euch Unterstützung holen, wenn ihr euch unsicher fühlt.

Häufige Fragen  zur Läufigkeit


Wie oft wird eine Hündin läufig?

In der Regel zweimal im Jahr, bei manchen Rassen nur einmal. Der Zyklus kann je nach Alter und Rasse variieren.

Wie lange blutet eine Hündin?

Durchschnittlich 7–10 Tage. Manche Hündinnen bluten kürzer, andere etwas länger.

Hat die Läufigkeit Auswirkungen auf die Entwicklung meiner Hündin?

Ja – die Läufigkeit betrifft den gesamten Organismus. Sie ist wichtig für die körperliche Reifung (z. B. Festigung der Knochen und Gelenke durch den Hormonhaushalt) und die emotionale Entwicklung. Hündinnen, die ihre Läufigkeit natürlich erleben dürfen, entwickeln oft mehr Stabilität und Gelassenheit.

Darf ich mit meiner Hündin während der Läufigkeit spazieren gehen?

Ja, unbedingt! Allerdings solltet ihr Rüdenkontakt vermeiden und Orte mit vielen freilaufenden Hunden besser meiden.

Wann sind die „Stehtage“ / fruchtbaren Tage?

Achtung: Nach dem Ende der Blutung ist die Läufigkeit nicht vorbei. In dieser Phase beginnt die fruchtbarste Zeit der Hündin – die sogenannten Stehtage oder Decktage. Sie dauern in der Regel 5–7 Tage. In dieser Zeit ist die Hündin besonders empfänglich für Rüden.

Viele Hundehalter unterschätzen diesen Zeitraum – daher ist es wichtig, auch nach der Blutung noch aufmerksam und vorsichtig zu sein.

Soll ich meine Hündin kastrieren lassen?

Die Kastration einer gesunden Hündin ist kein Routineeingriff, sondern ein massiver Eingriff in den Organismus. Laut Tierschutzgesetz ist eine Kastration ohne medizinische Indikation verboten. Viele Hundehalter werden leider noch immer mit falschen Zahlen und veralteten Argumenten verunsichert.

Kann meine Hündin während der Läufigkeit trainieren?

Ja – angepasst. Bei uns findet Training während der Läufigkeit außerhalb des Trainingsplatzes statt, damit sich alle Hunde wohlfühlen.

 
 
 
 
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